Ein Kommentar zum Setting von NYC2035

VORWORT

Da ich selbst meine Startschwierigkeiten mit dem Setting hatte und mich erst annähern musste, habe ich mir erlaubt, einen Kommentar zu schreiben, der (so hoffe ich) auch anderen zum besseren Hineinfinden in das Setting behilflich ist, bzw. den Mut macht, dieses Experiment „Dystopia“ zu wagen.

Ergänzung: Ich wurde auf diesen Kommentar angesprochen, der offensichtlich missverständlich wirken kann, was so nicht meine Absicht war. Das tut mir leid, wenn sich damit jemand persönlich kritisiert gefühlt hat, das war nicht die Intention! Deswegen möchte ich es noch einmal ergänzend formulieren, dass der Grund für diesen Kommentar keineswegs eine Kritik an NYC2035 Spielern oder deren Spielweise ist oder war! Meine kritische Auseinandersetzung galt ausschliesslich dem Setting selbst und meiner Rolle darin. Das alles habe ich in diesem Kommentar entsprechend erläutert. Den Kommentar habe ich veröffentlicht, weil es anderen vielleicht genauso ergeht wie mir, und sie meine Überlegungen in ihre eigenen eventuell mit einbeziehen wollen. Sehr viele kennen mich ausserdem auch schon von diversen Dark Urban RP Sims, und werden sich vermutlich mehr als wundern, wenn Skye nicht mehr so agiert, wie bisher bekannt. Deswegen im Vorwort auch die ausdrückliche Betonung, was für mich persönlich gilt, und nur für mich persönlich. Ich hoffe, ich konnte damit meine Absichten verständlich erklären. 🙂

Ich möchte dazu offen erwähnen, dass auch Skye – obgleich bekannt als die Klatschreporterin, die hinter allem und jedem einen Skandal wittert, den sie aufdecken will – eine Rollenentwicklung erleben wird, an deren Ende man sie vermutlich nicht wieder erkennen wird. Weil ich mich als Spielerin auf dieses Experiment einlassen will und werde, einmal etwas zu spielen, das mir sowohl als Mensch als auch in meinem bisherigen Rollenverständnis das Grauen lehren würde. Ich habe mir dafür ein ziemlich klares RP Ziel definiert, wo Skye in dieser Dystopie landen wird. Ja, es wird schrecklich sein, für mich persönlich, denn ich liebe meine Skye. Aber entweder ich spiele das Setting – oder ich bin da falsch (meine persönliche Meinung für mich selbst!).

Möglicherweise bedeutet es auch, dass ich zwischendurch eine RP-Pause einlegen muss, damit ich den Ablöseprozess von meiner Rolle wieder schaffe. Aber das nehme ich dafür in Kauf.

Nun aber zum Kommentar.

 

KOMMENTAR

„Where Dark Urban melts into Dystopia.“ – Was heisst das eigentlich?

Dark Urban ist den meisten Rollenspielern von vielen Spielorten (RP Sims) ausreichend bekannt. Aber was bedeutet es, wenn daraus „Dystopia“ wird?

Eine Begriffserklärung findet sich z.B. auf Wikipedia:

„Eine Dystopie […] ist ein Gegenbild zur positiven Utopie […] und ist in der Literaturwissenschaft eine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung mit negativem Ausgang. Sie entwirft ein zukunftspessimistisches Szenario von einer Gesellschaft, die sich zum Negativen entwickelt […].“

ERKENNTNIS 1: Die Gesellschaft hat sich so entwickelt. Man kann also davon ausgehen, dass die Masse der Gesellschaft die Errungenschaften der Dystopie aktiv unterstützt (hat). Der Grossteil der Menschen kritisiert das System nicht, sondern fühlt sich darin wohl.

 

Wie äussert sich Dystopie?

„Viele Filme und literarische Werke über dystopische Gesellschaften weisen zumeist einige der folgenden Züge auf:
– eine punktuell erzählte Vorgeschichte über einen Krieg, eine Revolution, einen Aufstand, demographische Verwerfungen, eine Naturkatastrophe oder ein klimatischer Wandel mit dramatischen gesellschaftlichen Auswirkungen.
– ein Lebensstandard in den Unter- und Mittelschichten, der im Allgemeinen unter dem Niveau zeitgenössischer Gesellschaften liegt. […]
– ein Protagonist, der die gesellschaftlichen Verhältnisse hinterfragt und oft intuitiv spürt, dass etwas im Argen liegt […]
– […] eine Schwerpunktsverlagerung der Kontrolle hin zu Großkonzernen, autokratischen Cliquen oder Bürokratien.“

ERKENNTNIS 2: Auf NYC2035 bezogen gibt es kein erkennbares, einschneidendes Ereignis, das die fiktive Gesellschaft und Kultur erklärt. Es ist aber ganz offensichtlich das Ergebnis der Digitalen Entwicklung („Roleplay The Digital Age“; dazu gehören Stichworte wie „Der gläserne Mensch“).
Der Wandel in der Gesellschaft besteht vor allem darin, dass die Überwachung (über die Chips) vollständig akzeptiert ist. Mögliche Bedenken, die vielleicht früher einmal geäussert wurden, gelten als unmodern, spiessig, lächerliche Schwarzmalerei. Wer sich gegen das vorherrschende System äussert, gilt als geistig zurück gebliebener Sonderling.

 

Was bedeutet das für meine Rolle?

„Dystopische Fiktionen sind oftmals […] ungelöst, das heißt, die Erzählung handelt von Individuen, die unbefriedigt sind und eventuell rebellieren, aber letztlich in ihren Bemühungen, etwas zu verändern, scheitern. Nicht selten fügen sie sich am Ende den gesellschaftlichen Normen. […] In einer dystopischen Gesellschaft gibt es meist Teile der Bevölkerung, die nicht unter der vollständigen Kontrolle des Staates stehen, und in die der Held der Geschichte üblicherweise seine Hoffnungen setzt, aber am Ende dennoch scheitert.“

ERKENNTNIS 3: Mein heutiges Verständis von Ethik und Moral muss ich für ein settinggerechtes Spiel komplett (!) über Bord werfen!
Meine Rolle ist in den Grundzügen ein konsumgeiles Arbeitstier. Ich rebelliere gegen nichts, das mir verspricht, noch mehr Leistung bringen zu können. Denn mehr Leistung bedeutet mehr Geld; mehr Geld bedeutet mehr Konsum! Ich fühle mich gewissermassen als „Gott“, der es nach Lust und Laune mithilfe der Grosskonzerne bewerkstelligen kann, meinen Körper und mein Denken zur Leistungssteigerung zu beeinflussen: durch Body Modification und Mind Perfection. Es ist das, was ich will! Es ist meine Überzeugung, meine Religion, für die ich lebe.
Vielleicht bin ich zunächst kritisch eingestellt. Als Spieler muss ich mich damit anfreunden, dass sich meine Rolle überzeugen lässt. Und nicht nur das: Dass meine Rolle für die Werte dieser Gesellschaft einsteht. Dass Konsum und Arbeit, Body Modification und Mind Perfection das Credo dieser Gesellschaft sind. Dass kein Zweifel gehegt wird. Und wenn doch, dann würde ich (also, meine Rolle) lieber zu Medikamenten greifen und zum Therapeuten gehen, um mich selbst wieder korrigieren zu lassen, anstatt zuzulassen, dass ich meine Zweifel als Warnsignal erkennen könnte.
Mit anderen Worten: Meine Rolle ist eine Marionette des Systems. Und genau das sollte ich spielen. Ich spiele nicht mein heutiges Verständnis von Moral und Ethik. Ich spiele nicht mich selbst. Sondern ich spiele meine Rolle. Meine Rolle ist eine Marionette. Es ist die Marionette, die ich als Spieler lenke (aus OOC Sicht), und eine Marionette, die sich vom System lenken lässt (aus IC Sicht). Ich, der/die Spieler/in, muss mich in meinem bisherigen Denken und Fühlen von dieser Marionette vollständig ablösen. Ansonsten wird es mir nicht gelingen, dem Setting und dem RP gerecht zu werden.
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