Wer ist Henry Buchanan? (4)

Sie haben in einem Keller in Chinatown ein totes Mädchen gefunden. Das arme Ding war nicht viel älter als 16 Jahre. Genickbruch, und ohne Chip. Ihre Identität wurde einfach so aus der Gesellschaft gelöscht. Oder aber, sie hatte schlichtweg noch nie als Teil der Gesellschaft existiert. Dass man sie erst ungefähr eine Woche nach ihrem Tod gefunden hat, liegt sicher auch daran, dass der Keller, in dem sie lag, offenbar nur alle Schaltjahre betreten wird, weil ihn keiner nutzt.

Die Polizei steckt jetzt natürlich voll in den Ermittlungen, aber ich bin längst schon einen Schritt weiter. Als der Fundort geräumt war, habe ich mich noch mit der netten Nachbarin unterhalten. Sie ist Violonistin und muss unter anderem Miete an den Medienmogul Bishop vom We Entertain Konzern abdrücken. Was mich gleich zu der Frage brachte, ob der Wohnblock etwa dem WE Konzern gehört. Immerhin, so erklärte ich ihr, sei die junge Tote ja nicht die einzige gewesen, die in letzter Zeit spurlos verschwunden ist. Da wäre doch noch dieser WE Praktikant. Es stellte sich heraus, dass die Geige spielende Nachbarin Henry Buchanan persönlich kannte, ebenso seinen Mitbewohner Jack. Aber sie meinte, Henry gehe es sicher gut, und Jack sei ebenfalls überzeugt, dass Henry einfach nur abgehauen sei, weil er Stadt und Job nicht mehr ertragen konnte. Ich habe da so meine Zweifel! Ich wette, es wird nicht lange dauern, und man findet auch seine Leiche in einem Keller.

2015-1107.2
Ich fragte die Nachbarin, ins Blaue hinein geraten: „Glauben Sie, es ist ein Serienmörder?“ Man sieht ihr das Entsetzen an. Sollte ich Mitleid haben, dass ich sie damit so erschreckt habe?

Sie erzählte mir ausserdem noch mehr über We Entertain und die Bishops, was ich interessant und hilfreich fand. Zum Beispiel, dass „der Alte“ ein Arschloch sei, und immer alles wisse, was in seinem Medientower vor sich ginge. Nichts passiere dort, ohne dass er es nicht längst schon wisse. Ich werde also vorsichtig sein müssen! Denn ich verwette meinen Hintern darauf, dass ihn mein neuester Artikel an die Decke gehen lässt. Der junge Bishop dagegen, der sei trottelig. Was ich insgeheim bestätigen konnte, denn bei ihm hatte ich vor wenigen Tagen einen Termin, und er schien von meinem Auftreten verunsichert worden zu sein. Fast hätte er auch den kompletten Schreibtisch umgeworfen, als er aufgesprungen ist, um mich am Ende des Gesprächs zu verabschieden. Die Nachbarin vermutet, dass sich Buchanan mit dem Chef angelegt hat. Das glaube ich auch. Ich kann mir schon denken, was passiert sein könnte. Wahrscheinlich trat er als angehender Journalist zu ehrgeizig auf und stellte die falschen Fragen. Das ist immer einer der ersten Fehler, die man begeht! Das weiss ich selbst noch aus leidvoller Erfahrung, damals zu meinen Anfängen.

Schlussfolgerung: Ich muss heraus finden, welche Fragen Henry Buchanan stellte!

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